Duell der Grazien

4 : 4
Tiebreak 1-2

Elisabeth Pähtz

Jüngste Deutsche Großmeisterin
WGM, Deutschland, ELO 2385

 


(C) Dagobert Kohlmeyer

 

Alexandra Kosteniuk

Vize-Weltmeisterin
WGM, Russland, ELO 2459

Tag 1

Partie 1
Mit neuer Frisur geht Elisabeth Pähtz in das Duell der Grazien mit Alexandra Kosteniuk und stellt sich einer russischen Drachenvariante.

19:40h Nach einem Einsteller von Elisabeth Pähtz setzt sich Alexandra Kosteniuk bereits in 25 Zügen durch.
19:55h Bei uns Arthur Jussupow: "Elisabeth hätte statt Le3 einfach Le1 spielen sollen. Das war der entscheidende Moment der Partie. Mit Le3 hat sie einen falsche Kombination vorbereitet. Durch einfaches Se3: wurde dies widerlegt."

Partie 2
20:35h Otto Borik, Chef des Schach-Magazin 64 sieht Alexandra Kosteniuk nach 18. Th3 auf der Siegesstraße. "Ich sehe keine Verteidigung für die junge Deutsche." Dagobert Kohlmeyer: "Sie hat eine Figur zurückgegeben. Noch lebt sie... "
21:00 Kosteniuk gewinnt und führt 2-0.

Partie 3
22.00 Elisabeth Päthz hat ihre Auftaktniederlagen verdaut und gewinnt Partie drei.
22.15 Artur Jussupow zieht sein Resüme: Elisabeth hat eine klasse Partie gespielt. Sie hat eine wunderbare Idee gefunden den schwarzen Springer auf d4 zu fesseln. Sie hat Material gewonnen und die Partei sauber zum Sieg gebracht. Elisabeth ist schon in der ersten Partie gut aus der Eröffnung gekommen. In der zweiten Partie hätte sie statt Sb4 d5 spielen sollen und dann deutlich bessere Chancen gehabt. Nach dem 2-1 ist noch alles offen.

Pressekonferenz: Elisabeth Pähtz schöpft nach dem Sieg in der dritten Partie wieder Hoffnung gegen Alexandra Kostenjuk. "Als ich die ersten zwei verloren hatte dachte ich mir: Jetzt ist eh' alles egal. So konnte ich befreit aufspielen." Die Niederlage in der ersten "besser stehenden Partie" habe sie so geärgert, daß sie in der zweiten Begegnung Lxh7+ übersah. "Als ich gezogen hatte, bemerkte ich den Fehler", berichtete die Erfurterin von dem Malheur, das der russischen Vizeweltmeisterin unwiderstehlichen Angriff bescherte. Trotzig erklärte Pähtz nach dem "Anschlusstreffer": "Positionell bin ich besser, taktisch sie vielleicht ein bisschen mehr. Der große Unterschied besteht in den Nerven, die bei den Frauen ganz wichtig sind", befand die Spitzenspielerin des deutschen Damen-Mannschaftsmeisters Dresdner SC. Froh gelaunt nach dem ersten Sieg stichelte die 17-Jährige auch gleich wieder in Richtung ihrer Erzrivalin. "Dieses rosa Top war doch schrecklich!" Sie kaufte indes gestern noch bei H+M den passenden roten Rock zu ihrem Jackett - ein rotes Jackett erhält übrigens auch die Gewinnerin in Mainz ..
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Tag 2

Partie 4
19:00h Hohe Zeit für die Duelle der Grazien und Weltmeister: Oberbürgermeister Jens Beutel sitzt bei uns im Presseraum und verfolgt die Bilder. Wir befragen ihn nach seinen Prognosen zum Ausgang der Wettkämpfe. "Prognosen sind immer schwierig," lächelt der Mainzer. " Das Duell der Weltmeister ist völlig offen. Anand ging ja als Favorit ins Match, doch mit dem starken Spiel von Ponomarjow gestern hat der Ukrainer gezeigt, dass er ein ebenbürtiger Gegner ist. Hier wage ich keine Prognose. Im Duell der Grazien ist für mich Frau Kosteniuk der Favorit. Sie spielt seit langer Zeit sehr erfolgreich. Und ich glaube Elisabeth Pähtz ist mental durch die Hochwasserprobleme gehandicapt. Vielleicht ist ein 5-3 hier ein gute Prognose."
19:30 Elisabeth Pähtz hat zwar die halboffenen b-Linie, doch der Angriff ist nur schwer zu realisieren. Zumindest im Hause funktioniert das Übertragunssystem wieder. Zwischen Anand und Ponomarjow entwickelt sich ein offener Kampf, wobei der Weltmeister nach Ansicht seiner Sekundanten Bologan und Komarow nur minimal schlechter steht.
19:45h Im Grazienmatch hat Pähtz einen starken Angriff auf der b-Linie, obgleich ein Gewinn noch nicht ersichtlich ist.

20:00h Mit noch einer Minute auf beiden Uhren kämpfen Kostenmiuk und Pähtz. Die Deutsche hat nach einem Damentausch weiterhin die besseren Karten. Mit a3 versucht sie die lange Diagonale für ihren Läufer zu öffnen, um dem Ka1 zu Leibe zu rücken.
20:05h Pähtz gewinnt eine Figur und damit die Partie. Aufgabe. Elisabeth Pähtz gleicht überraschend das Match zum 2-2 aus. War es der Erfolg der schwarzen Mütze, die trotz Friseurbesuch das Haupt der Dresdnerin schmückte?
20:15h "Elisabeths Eröffnungswaffe Najdorf war erfolgreich." meint Thomas Pähtz zur Partie seiner Tochter. "Sie mußte aber von ihrer Eröffnungwahl erst überzeugt werden. Sie befürchtete, daß die Eröffnung für das Schnellschach als Schwarzer zu kompliziert ist. Im letzten Jahr bei der DamenEM im Warschau scheiterte sie mit dieser Eröffnung gegen Kosteniuk. Deswegen mußten wir sie erst überzeugen. Die Partie war für einen Schnellschachpartie auf hohem Niveau. Ich bin happy."

Partie 5
20:35h Fabian Döttling und Thomas Pähtz sind nach 11. Db3 mit der Stellung von Grazie Elisabeth hoch zu frieden. Doch der Zug Le3 stößt hier auf Verwunderung. Doch auch nach Db4 und Sc3 braucht die Deutsche dank der aktiveren Figuren einen Damentausch auf b3 nicht zu fürchten.
21:20h Elisabeth Pähtz werden hier mit ihrem b-Bauern Vorsprung gute Siegeschanchen eingeräumt. Dochihr fehlt fehlt die Gradlinigkeit bei der Abwicklung ihres Vorteils nach 42. Tc7+.
21:30h Elisabeth hat den Sack nicht zugemacht. ihren gewinnbringenden Vorteil im Turmendspiel hat sie mit Te8 statt Td8 vergeben. Der feine Unterschied besteht darin, dass man auf das Turmzwischenschach auf b6 Td6 ziehen kann. So geht der b-Bauer ersatzlos ohne Turmtausch verloren. Die Nerven der Grazien liegen blank. Remis. Kopfschüttelt verläßt die Deutsche die Bühne.

Partie 6
22:10h Nach 29. De2 steht Alexandra Kosteniuk klar besser. Außer auf ihren Mehrbauern kann sie auch auf eine sicherere Königsstellung pochen. Der Monarch von Elisabeth Pähtz findet kein ruhiges Plätzchen. "Der weiße Springer hat später über g3 auf f5 gute Perspektiven." bemerkt Otto Borik.
22:20h Elisabeth Pähtz verliert nach 37. Dc7+ eine Figur und gibt auf.

MIt feuchten Augen kommt Elisabeth Pähtz zur Pressekonferenz: "Das passiert nun mal." ist ihr knapper Kommentar zur 5. Partie, in der sie einen einfachen Gewinn ausließ. Alexandra Kosteniuk räumt ein; " I was very lucky."

Tag 3

Partie 7
18:57h "Hervorragende Vorbereitung von unserem Cheftrainer Miroslav Shvartz. Wir möchten das Spiel positionell halten, hier sehen wir die Schwächen von Alexandra, wie wir in der 6. Partie gesehen haben. Ex-Weltmeister Karpov und Ulf Andersson würden das gerne sehen. ", meint Thomas Pähtz."Ein bisschen besser für Weiss," beurteilt Miroslav Shvartz die Stellung nach 22. a4 a5.
19:22h Nach 29. - Sd5 wird es offensichtlich. Elisabeth Pähtz hat ihren Vorteil verspielt. Statt g4-g5 hätte sie den Bh5 nehmen und auf b7 drücken sollen. Nun droht ist ihr Bauer h4 schwach, murmelt man im Presseraum. Statt dem Ausgleich im Match droht ein Unentschieden in der 7. Partie.
19:25h Die Grazien trennen sich nach 38 Zügen in ihrer 7. Partie remis.
20:00 Thomas Pähtz: "Ich bin zufrieden. Ihr Minimalziel von 3 Punkten ist erreicht. Sie hat in der ganzen Partie über leichte Vorteile gehabt, die sie allerdings nicht verwerten konnte. So geht das Remis letztlich in Ordnung."

Partie 8
20:10h Miroslav Shvartz: "Die Eröffnungsvorbereitung hat auch in der aktuellen 8. Partie gut geklappt. Die Paulsen Variante im Sizilianisch ist bekannt dafür, daß man auch mit Schwarz auf Gewinn spielen kann. Wir wollen das Duell unbedingt ausgleichen. Das gute Spiel, daß Elisabeth im ganzen Match gezeigt hat, gibt uns die Hoffnung das Match ausgleichen zu können. "
Victor Bologan erinnert die Stellung von Kostenjuk - Pähtz (27. Zug) an eine Partie von Kasparov, die er mit Schwarz gegen Morozevich gewonnen hat.
21:05h Elisabeth Pähtz siegt in der 8. Partie des Duelles des Grazien und gleicht gegen die große Favoritin Alexandra Kostenjuk zum 4-4 in der letzten regulären Partie aus. Das Tie-Break über zwei Partien wird die Entscheidnung über den Sieg bringen.
21:10h Thomas Pähtz zum Match der Grazien: "Sie hat das Match dominiert. Ich bin sehr stolz auf meine Tochter. Für mich war die gute Eröffnungvorbereitung von Miroslav Shwartz entscheidend. Bereits beim ZMD-Open in Dresden hat Miroslav Elisabeth betreut und zur Männer IM Norm geführt. Darum wünschte ich mir Miroslav als Betreuer hier in Mainz. Ohne das Hochwasser wäre Miroslav nicht gekommen, weil er eigentlich in Dresden als Schachlehrer am Sportgymnasium hätte unterrichten müssen. Miroslav ist emotional sehr mit der Arbeit von Elisabeth verbunden. Auch er lebt durch, was ich die letzten 10 Jahre durchmachen musste. Die Blitzpartien können ausgehen wie sie wollen, für mich war Elisabeth hier die bessere."

Tie-Break
21:35h Die erste Tie-Break -Partie zwischen Kosteniuk und Pähtz entscheidet die Russin im Duelll der Grazien zum 1-0 Gesamtstand für sich.
21:55h Pähtz gewinnt die 2. Tie-Break Partie im Duell der Grazien und gleicht zum 1-1 aus.
22:20h Kosteniuk entscheidet die 3. Tie-Break-Partie, gewinnt damit den Tiebreak des Grazien Duell mit 2-1 und ist die neue Trägerin des roten Jackets.

Pressekonferenz
Alexandra Kostenjuk fühlt sich nach dem "spannenden Match, das allerdings vor Fehlern strotzte, nur noch müde". Morgen fliegt die Vizeweltmeisterin um 9 Uhr nach Paris, tags darauf nach Odessa, wo sie in einem kleinen Film eine Rolle spielen wird. Anschließend stehe endlich Urlaub an. Bei der abschließenden Pressekonferenz scheint alle Last von den beiden Grazien abgefallen, die Rivalität schwindet. "Schlechte Nerven sind mein größtes Problem. Ich habe schon mehrfach in letzten Runden Jugend-WM-Titel verschenkt", sagt die WM-Achtelfinalistin aus Erfurt. Übt Kostenjuk schon für ihren Film? Nein. Freundlich winkt sie zu Elisabeth Pähtz zurück und ruft: "Eli, good-bye!"

 

8 Partien Schnellschach

Freitag, 16.8. Runde 1-3
Samstag, 17.8. Runde 4-6
Sonntag, 18.8. Runde 7+8

Partien
Partien des Tie-Break

Bilder

Weitere Bilder von Thilo Gubler

Harald Fietz beobachtet das Duell der Grazien am ersten Tag und beobachtet die Schönheiten und ihre Waffen: Grazien packen die Keulen aus.

Die Grazien zeigen Nerven. Elisabeth verpasst die Führung gegen Vizeweltmeisterin Alexandra Kosteniuk. Harald Fietz zum Grazienduell nach dem zweiten Tag.

"Der Laufsteg der "Brett-Hupferl"" Hartmut Metz fasst die Ereignisse um die Duelle der Weltmeister und Grazien zusammen.