Fischer Random Chess

26. - 28. Juni 2001

 

 

Adams verkürzt

Erster Sieg des Engländers beim Fischer-Random-Match hält ihn im Rennen

Von Eric van Reem

 

Die fünfte Partie war eine entscheidende Partie für Michael Adams. Mit Schwarz musste er versuchen, wenigstens ein Remis zu erreichen, um nach fünf Partien nicht schon hoffnungslos 1:4 in Hintertreffen zu geraten. Lange Zeit sah es überhaupt nicht gut für den Engländer aus. Die Stellung hatte bereits in einer frühen Phase eine normale Struktur erreicht, obwohl Adams mit 10...Df5 einen typischen "Fischer Random Zug" auf das Brett brachte. Die Kommentatoren waren sich nicht einig, ob dies ein guter, aktiver Zug oder doch ein Versehen war. Peter Leko bekam, was er wollte: eine ruhige Stellung, die er ohne Gefahr verbessern konnte. "Was macht er denn da eigentlich", wunderte sich Kommentator Helmut Pfleger, als Adams im 20. Zug seinen a-Bauer opferte. "Das war ein grober Schnitzer", gab Adams in der Pressekonferenz freimütig zu. Die Stellung war allerdings nicht einfach zu gewinnen, und die Kommentatoren rätselten: "Wie knacken wir die Stellung?" Auch Leko fand die Lösung nicht und musste schließlich nach geschickter Verteidigung des Engländers mit einem Remis zufrieden sein.

"Ich konnte meinen Augen nicht glauben." Michael Adams war überrascht, als das Programm "Schach dem Schweinehund" in Partie 6 die gleiche Stellung ausloste wie in der zweiten. Bei der Auslosung der Grundstellung gibt es 960 verschiedene Anordnungen - das heißt die klassische Ausgangsstellung und noch 959 andere. Adams eröffnete indes völlig anders als in der zweiten Partie und diesmal wesentlich erfolgreicher. Wurde hier erstmals Fischer-Random-Eröffnungstheorie geschrieben?! Er erreichte mit feinsinnigen Züge einen Stellungstyp, den er gerne spielt. Allerdings musste der Londoner lange manövrieren, so dass die Zeit knapp wurde. Nach 30 Zügen hatte Adams nur noch drei Minuten auf der Uhr, Leko dagegen mehr als sechs. Allerdings war es für Weiß einfacher, die geschlossene Stellung zu spielen. "Wir wollen einen Einschlag sehen", forderte Helmut Pfleger und musste sich länger gedulden: 55.Txc6 entschied die Partie, weil der Ungar nicht alle die Schwächen verteidigen konnte. Nach 67 Zügen feierte Adams seinen ersten Sieg im Fischer Random Chess und blieb somit Leko auf den Fersen. Der 21-Jährige hatte zum Schluss nur noch 24 Sekunden auf der Uhr, während Adams durch schnelles Spiel sein Zeitkonto auf mehr als eine Minute aufstockte. Vor den beiden letzten Partien führt der Weltranglistensiebte nur noch knapp mit 3,5:2,5.