ORDIX Open 

 

Adams gewinnt Ordix Open

Beim Ordix Open hat sich mit dem Weltranglistenvierten Michael Adams der Favorit durchgesetzt. Der Engländer hatte alle Hoffnungen auf den Turniersieg schon begraben. In Runde acht unterlag Adams dem Russen Alexej Drejew, doch danach spielte er "locker und ohne Druck auf". Mit drei Erfolgen in Serie überflügelte er noch die Konkurrenz und kam als einziger der 487 Teilnehmer auf 9,5:1,5 Punkte. 10.000 der 45.000 Mark Preisgeld erhielt der 29-Jährige für die zweitägige Denkarbeit bei den Chess Classic Mainz. Einen halben Punkt dahinter folgten auf dem Podest der Schweizer Vadim Milov und Oleg Eismont (Russland), der als einziger in die Phalanx der 37 Großmeister einbrechen konnte. Ebenfalls auf neun Zähler kamen Vorjahressieger Sergej Rublewski (Russland), Igor Glek (Katernberg) und der Wiesbadener Eric Lobron.

Fotos Tag 1    Fotos Tag 2 (Copyright Eric van Reem)

Partiehighlights des ersten Tages

Der Endstand  Fortschrittstabelle  Ratingpreise


Adams fand sich wenig beeindruckend

Der Weltranglistenvierte dominierte beim Ordix Open 2001

Von Harald Fietz

Was als kreatives Aufwärmtraining für das Fischer Random Match gegen Peter Leko geplant war, wurde ein Triumphzug für ‚Tricky Mickey'. Trotz eines Ausrutschers in Runde 8 gegen Alexej Drejew genügte ein Hattrick in den Schlussrunden, um mit 9,5:1,5 vor 486 Teilnehmern das Siegertreppchen in der Rheingoldhalle zu besteigen. Ordix-Chef Wolfgang Kögler überreichte ihm dafür die Prämie in Höhe von 10.000 Mark. Wozu anno 2000 15 Runden nicht ausreichten, als Sergej Rublewski und Michail Gurewitsch mit 12/15 nur durch die Feinwertung getrennt wurden, das gelang diesmal in 11 Runden - trotz einer Steigerung der Teilnehmerzahl um 190 gab es einen alleinigen Sieger. Wie bei seinem souveränen Masters-Erfolg im vergangenen Jahr zeichnete den gebürtigen Cornwall-Boy mit Wohnsitz London seine Hartnäckigkeit aus, die es ihm ermöglichte, in den letzten drei Runden in entscheidenden Situationen die Nerven zu behalten. Leonid Gofshtein, Konstantin Landa und Evgeni Agrest bekamen es zu spüren. "Es war nicht gerade beeindruckend, was ich hier zeigte. Ich spielte eineinhalb Minuten nicht mehr und bereitete mich auf das Match im Fischer Random Chess vor. Ins Schnellschach kommt man dann viel schwerer rein als ins klassische Turnierschach", erzählte Adams. "Nach der Niederlage gegen Drejew dachte ich, alles sei vorbei. Die Partie gegen Landa war meine beste. Ich besaß leichten Vorteil und drückte ihn vom Brett. Die letzte Begegnung erinnerte mich die Partie schon ans Fischer Random, weil die Partien wild über die Felder verteilt waren. Am Ende gelang mir ein netter Schluss."

 

Der Gewinner Michael Adams

Karikatur von Frank Stiefel

 

In der letzten Runde hatte es einzig der St. Peterburger Peter Swidler in der Hand, Co-Sieger zu werden. Doch wie beim Ordix Open 2000 machte ihm sein Landsmann Rublewski mit den weißen Steinen einen Strich durch die Rechnung. "Das ist immer ein mords Problem, wenn man bei einem Open nicht in der letzten Runde gewinnt. Das Remis in der ersten Runde machte gar nichts. Gohil spielte in der Kurzpartie ganz gut. Mein Ergebnis stellt kein Desaster dar, aber richtig gut habe ich auch nicht gespielt. Vor allem gegen Sergej spielte ich wie ein Idiot. Er liegt mich nicht. Wenn ich ihn attackiere, was ich musste, um das Turnier zu gewinnen, kontert er mich eben mit seinem soliden Repertoire aus. Ich gönne ihm aber den Sieg, denn er ist ein Freund von mir", sprach der Weltranglistenzwölfte und versuchte gleich in ein paar Blitzpartien Revanche zu nehmen. Rublewski rechnete nicht damit, seinen Vorjahreserfolg zu wiederholen. "Ich bin mit dem vierten Platz sehr zufrieden. Peter liegt mir. Ich habe jetzt +3 gegen ihn", berichtete der Olympiade-Sieger mit Russland. Das Ordix Open findet er nicht nur wegen der Besetzung "erstaunlich". Rublewski amüsierte vor allem, dass drei seiner Begegnungen mit einem Dauerschach endeten.

So teilte ein Quintett das Preisgeld hinter dem Weltranglistenvierten, der mit 10.000 DM für zwei Tage Schnellschach auf Topniveau fürstlich entlohnt wurde. Hätte man Großmeister wie Vadim Milov, Rublewski, Igor Glek und Eric Lobron gefahrlos als potenzielle Kandidaten für einen Spitzenplatz tippen können, so überraschte das gute Abschneiden von Oleg Eismont. Der Internationale Meister aus Lübekke teilte mit dem Vorjahressieger Rublewski mit 9 Punkten nach Feinwertung den Bronzerang. Mit 5/6 erwischte er einen glänzenden zweiten Tag. Dabei besiegte er Stefan Reschke, Alexander Morosewitsch, Normundas Miezis sowie Igor Khenkin und teilte die Punkte mit Leonid Gofshtein und Rustem Dautov. Lobron freute sich unbändig, nachdem er den tief enttäuschten Wladimir Epischin in der letzten Runde niedergerungen hatte. Nur noch zwölf Sekunden waren dem Russen aus Weimar verblieben, dem Wiesbadener 23, als er mit einem Matt den Status des besten Deutschen eroberte. Lobron vergaß im Überschwang der Gefühle, sein Resultat zu melden - als er das viel später bemerkte, war es aber schon längst von der aufmerksamen Turnierleitung notiert. Sehr zufrieden zeigte sich auch Vadim Milov. "Ich hatte Auslosungsglück, weil ich in der vorletzten Runde gegen Jefim Rotstein kam, dann in der letzten Runde gegen Gerd Euler", spielte der Wahl-Schweizer auf die günstige Auslosung gegen mit deutlich niedrigeren Ratings ausgestattete Akteure an.

Hinter den Top Six kamen elf Spieler mit 8,5 Punkten durch das Ziel, wobei nur der Mühlheimer IM Daniel Hausrath auf Platz 17 in die Phalanx der Großmeister einbrechen konnte. Vor ihm teilten sich die Profis in folgender Reihenfolge die Prämien: Alexej Drejew, Jewgeni Agrest, Wladimir Baklan, Michail Salaew, Peter , Klaus Bischoff, Igor Rausis, Andrej Schchekaschew, Aleksei Barsov und Leonid Gofshtein. Mit 8 Punkten und den besten Wertungszahlen erwischten noch Wladimir Epischin, Igor Khenkin und Alexander Morosewitsch einen Krümel des Preiskuchens. "So kann ich nie Weltmeister werden", haderte der Weltranglistenfünfte mit seiner Schnellschach-Schwäche. "Ich wollte zumindest wieder zurück in die Top 100 in der Schnellschach-Rangliste - jetzt falle ich noch weiter zurück", stellte Morosewitsch fest.

Aber das Ordix Open 2001 zog nicht nur die berufsmäßigen Brettstrategen nach Mainz. Erfreulich viele Schachenthusiasten fanden den Weg an die Spielstätte am Rhein - konnte man doch neben dem Drumherum mit weltmeisterlichen Simultanvorstellungen auch einen der zahlreichen Ratingpreise anvisieren. Insgesamt 61 Preise kamen zur Ausschüttung. Bei den Damen überflügelte Bettina Trabert mit 7 Punkten in der zweiten Turnierhälfte ihre Großmeister-Kollegin Ketino Kachiani-Gersinska, die zusammen mit der Drittplatzierten Gisela Fischdick 6,5 Punkte auf ihrem Konto verbuchte. Bei den Senioren setzte sich der Zweikampf des Vortags fort: Nur ein halber Wertungspunkt trennte schließlich Jefim Rotstein und Wolfgang Unzicker, die beide 7 Punkte erzielten. Der dritte Preis in dieser Kategorie ging an Leonidis Bubis mit 6,5 Punkten.

Auch bei den weiteren Ratinggruppen ging es eng zu: Der Endstand der Wertungszahlen 2201-2400 wies gleich vier Spieler mit 8 Punkten aus - Josef Gheng, Georgios Souleidis, Petr Neumann und Andrei Orlov belegten hier die ersten Plätze, während Markus Schäfer wertungsbester Spieler in der Gruppe der Spieler mit 7,5 Punkte war. Genau diese Punktzahl reichte, um in der Ratingkategorie 2001-2200 die beiden vorderen Plätze zu erreichen. Jürgen Kaufeld und Erich Zweschper waren die Glücklichen. Bei den Vereinsspielern mit einer nationalen Wertungszahl zwischen 1751 und 2000 konnte sich Michael Ziegler mit 6,5 Punkten allein das erste Preisgeld in Empfang nehmen. In der Gruppe bis 1750 DWZ genügten Florian Armburst 5,5 Punkte zum ersten Platz.

Spezielle Anreize gab es auch bei den Jugendlichen. Die Allerjüngsten bis 10 Jahren mischten auch bereits mit, und Michael Künitz sammelte drei Punkte, um seine Kategorie für sich entscheiden. Bis U14 mußte die Feinwertung entscheiden, da die drei Besten - Georg Meier, Jens Koller und Florian Armbrust - alle bei 5,5 Punkten einkamen. Da Florian Armbrust bereits in der Gruppe bis 1750 DWZ vorne lag, rutschte Lars Eberspach vom Ausrichter Frankfurt-West nach. Eine klare Sache war die U-16-Gruppe, wo die turniererfahrene Nachwuchshoffnung Arkadij Naiditsch deutlich mit 8 Punkten und Platz 37 im Gesamtstand einlief. Dahinter folgten mit jeweils 5,5 Zählern Marc Mengler und Thibaud Steinle. Bei der U18 schließlich hatte Gilles Daubenfeld mit 7 Punkten die Nase vorne vor Ilja Schneider mit 6,5 Punkten und Philipp Balcerzak (6).

Unter dem Strich erhielt damit jeder achte Teilnehmer unter den 487 Spielern einen Preis. Der neue Beteiligungsrekord zeigt, dass Schnellschach sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Ein attraktiver Spielort und die Einbettung in eine Veranstaltung mit Weltklassespielern zieht nicht nur die am Brett aktiv Spannungsmomente herausfordernden Vereinsspieler an, sondern ganze Familien und anderer Anhang nutzten die Chance, zu kiebitzen oder sich vom Ambiente anstecken zu lassen. Sicher werden sich viele den Worten Sergej Rublewskis anschließen, für den die Rhein-Main-Region bereits im zweiten Jahr ein gutes Pflaster war. Sein Fazit fiel eindeutig aus: "Ich komme wieder!"


Der Bericht nach dem ersten Tag:

 

Ansturm auf die Rheingoldhalle

Ordix Open zum Auftakt der Chess Classic Mainz das größte deutsche Schnellschachturnier aller Zeiten

Von Harald Fietz

Kurz nach Mittag ging nichts mehr! Als einer der Letzten hatte der Freiburger Oberliga-Spieler Christoph Berberich einen Platz ergattert, denn das auf 512 Spieler ausgelegte Paarungsprogramm hatte seine Grenze erreicht. Überwältigt vom Ansturm der letzten 24 Stunden schlossen die Organisatoren vom mitveranstaltenden Verein Frankfurt Chesstigers die Pforten zu den begehrten Brettern. Während die Mainzer und ihre Besucher beim Johannisfest entlang der Rheinufer ihr Plaisir suchten, harrten schließlich 487 Schachfreunde auf den Startschuss beim bisher größten Schnellschachturnier auf deutschem Boden. Einige Vorangemeldete hatten ihren Startplatz nicht wahrgenommen. Mit 122 Titelträgern weist das Feld Masse wie Klasse auf: 37 Großmeister, 40 Internationale Meister, 39 FIDE-Meister, zwei Frauen-Großmeisterinnen und vier Internationale Meisterinnen mischten sich unter die Schnellschachgemeinde. Mit 19 Spielerinnen liegt der Frauenanteil bei nur vier Prozent.

Die Samstagskämpfe waren geprägt von kompromisslosem Schach und überraschende Spielausgänge waren eine Seltenheit. Die Favoriten wissen, dass beim Run auf die 10.000-Mark-Prämie für den Sieger jeder halbe Punktverlust vermieden werden sollte. Von den Topspielern erwischte es in der Auftaktrunde einzig den dreifachen russischen Meister Peter Swidler aus St. Peterburg: Gegen Harry Gohil vom mitausrichtenden Schachclub Frankfurt-West musste er sich mit einem Remis begnügen, nachdem in einer Trompowski-Eröffnung der König in der Mitte hängen blieb und die Dame sich im feindlichen Lager verirrt hatte.

 

Peter Swidler musste in eine Remisschaukel einwilligen

Karikatur von Frank Stiefel

 

Die Bühne gehörte in den ersten vier Runden dem Ersten der Setzliste, Michael Adams aus London. Der Weltranglistenvierte nutzte die Gelegenheit, um sich beim Ordix Open für sein Match im Fischer Random Chess gegen Peter Leko und das Mini-Match gegen Pocket Fritz in Spiellaune zu bringen. In der vierten Runde teilte er allerdings den Punkt mit dem in den vergangenen Wochen stark aufspielenden IM Ralf Appel vom Bundesligisten Castrop-Rauxel. Mit 4,5 Punkten gehören beide Spieler damit zur erweiterten Spitze von 19 Spielern, die die fünf verlustpunktfreien Spitzenreiter jagen. In dieser Gruppe befindet sich auch Vorjahressieger Sergej Rublewski.

Mit identischer Feinwertung kamen bislang fünf Großmeister ungeschoren über die Runden: Wladimir Baklan vom Bundesligisten Magdeburg, Alexej Drejew aus Russland, dessen Landsmann Wladimir Epischin, der Zweite der Turnierrangliste, Alexander Morosewitsch aus Moskau, und der in der Schweiz beheimatete Vadim Milow punkteten auch gegen ihre Großmeisterkollegen voll. Hinter den zwei Dutzend Spielern mit 5 und 4,5 Punkten lauern 37 Verfolger, die am ersten Tag einen Punkt liegen ließen. Die nationale Spitze hält sich in Lauerstellung. In den Top 20 findet man mit jeweils einem halben Verlustpunkt IM Markus Schäfer, GM Raj Tischbierek, IM Ralf Appel und GM Klaus Bischoff. Weitere deutsche Großmeister halten Tuchfühlung zur Spitze: Das Chess-Classic-Urgestein Eric Lobron ist ebenso dabei wie Rustem Dautov, Lothar Vogt, Artur Jussupow und Altmeister Wolfgang Unzicker.

Auch bei den Damen tauchen bekannte Gesichter auf: Ketino Kachiani-Gersinska behauptet momentan einen halben Punkt Vorsprung gegenüber Anke Koglin, Bettina Trabert und Ingrid Lauterbach, die alle bei drei Punkten stehen. Einen halben Punkt dahinter folgen Jessica Nill, Gisela Fischdick, Heike Vogel und Annette Klein. In der Gruppe der Spielerinnen mit zwei Punkten rangiert nach einigem Auf und Ab Anna Onitschuk, die Schwester des ukrainischen Großmeisters Alexander aus Magdeburg.

Prominente Teilnehmer tummeln sich im Mittelfeld: Der Kabarettist Matthias Deutschmann, vielen als die deutsche Stimme des "Quälgeistes" Fritz bekannt, und der Historiker Professor Eckhard Freise, der Berühmtheit als erster Gewinner der Günter-Jauch-Eine-Million-Spielshow erlangte, liegen mit 50 Prozent im Mittelfeld. Sein Wissenschaftskollege FM Ulrich Sieg aus Marburg ist ihm mit 3,5 Punkten einen Zähler voraus. Beide belebten am Jahresbeginn mit dem Lasker-Kongreß in Potsdam die schachhistorische Szene und widerlegen das Vorurteil, dass Geschichtsforschung in verstaubten Hinterzimmern stattfindet und die Gelehrten weltfremde Gesellen sind.

In den Ratinggruppen geht es nach knapp der Hälfte des Turniers noch eng zu, bei den Senioren bahnt sich ein Zweikampf zwischen Jefim Rotstein und Wolfgang Unzicker an, die beide einen guten Tag mit 4/5 erwischten. Bei den Jugendlichen ist in der U-18-Kategorie Ferenc Langheinrich gut im Rennen, der bereits im vergangenen Jahr mit mehreren Siegen über Großmeister für Furore sorgte. Ausrutscher der Spitzenspieler blieben heuer die Ausnahme. Einen erwischte es dennoch: In Runde zwei beugte sich der Belgier Wladimir Chuchelov (Elo 2550) dem Mutterstadter Tobias Bärwinkel, der mit einer Wertungszahl von 2219 antritt. Der zweite Tag verspricht enge Kämpfe, um sich ein Stück aus dem Preiskuchen zu schneiden. 45.000 DM kommen zur Ausschüttung. Wer wird sich die Heimreise vergolden?

 

Schöner Gruß von Tobias Baerwinkel

Karikatur von Frank Stiefel


Topbesetzung beim Ordix Open

Gipfelsturm mit Weltklassespielern und Professor Eckhard Freise

Von Hartmut Metz

Das Ordix Open bei den Chess Classic Mainz weist eine exzellente Besetzung auf: An dem offenen Schnellschach-Turnier in der Rheingoldhalle nehmen nicht nur zwei Spieler aus den Top Ten teil. Im Kampf um die 45.000 Mark Preisgeld rechnen sich 37 Großmeister Chancen auf den ersten Platz, der mit 10.000 Mark dotiert ist, aus. Die ersten 27 Ausnahmekönner bringen einen Elo-Durchschnitt von über 2600 auf die Waage. Bei dieser Zahl sind die so genannten Super-Großmeister angesiedelt.

Die Reihe der Topfavoriten führt Michael Adams an. Der Weltranglistenvierte aus England startet vor seinem Fischer-Random-Match gegen Peter Leko (Dienstag bis Freitag) einen erneuten Versuch, erstmals das Ordix Open zu gewinnen. Als härtester Widersacher des Masters-Gewinners der Chess Classic 2000 gilt Alexander Morosewitsch. Der Russe liegt nur einen Platz schlechter als Adams. Im Vorjahr wurde der Weltranglistenzwölfte Peter Swidler im Ordix Open Dritter, diesmal ist der dreifache russische Meister auch in der Setzliste Dritter. Die 10.000 Mark dürfen sicher auch der einfallsreiche Alexej Drejew (18./Russland) und Sergej Rublewski ins Auge fassen. Im Vorjahr überraschte der Olympiade-Sieger mit Russland und fing auf der Zielgeraden den führenden Belgier Michail Gurewitsch ab. Anschließend bewies Rublewski auch im Masters, für das er sich qualifiziert hatte, seine Klasse als Tabellenvierter.

Auch die deutsche Spitze ist beim Ordix Open stark vertreten. Fünf der sechs Großmeister, die in den Top 100 stehen, pilgern nach Mainz. Als Nummer sechs bis zehn - nur unterbrochen durch den siebtplatzierten Porzer Bundesligaspieler Rafael Waganjan (Armenien) - folgen die deutschen Asse Alexander Graf (Köln-Porz), Artur Jussupow (Solingen), Rustem Dautov (Godesberg) und Christopher Lutz (Köln-Porz). Das Quintett vervollständigt Igor Khenkin (Tegernsee). Zu den aktuellen Nationalspielern zählt überdies Klaus Bischoff (Plauen), der zum Gewinn der Silbermedaille bei der Schach-Olympiade in Istanbul beitrug. Aus dem Reigen der 13 deutschen Großmeister stechen zudem der ehemalige-WM-Kandidat Vlastimil Hort (Köln-Porz), der in zahlreichen Ländern Schachsendungen moderiert, und Altmeister Wolfgang Unzicker hervor. Der Münchner feierte im Vorjahr während der Chess Classic seinen 75. Geburtstag.

Bis zu 432 Spieler tummelten sich beim Ordix Open, das vor acht Jahren erstmals ausgetragen wurde und seitdem eine rasante Entwicklung nahm. Heuer wurde der Rekord mit 487 Teilnehmern deutlich verbessert. Dabei haben nicht nur die bis zu 122 Titelträger - wohl kein anderes Schnellschach-Turnier auf der Welt hat dermaßen viele Groß-, Internationale und Fide-Meister am Start - Aussichten auf ein erkleckliches Preisgeld. Organisator Hans-Walter Schmitt legt auch Wert darauf, dass Amateure einen netten Gewinn von bis zu 1.500 Mark in ihren Ratingklassen einstreichen können. Doch vorrangig reisen die Hobbyspieler an, um einmal gegen Topleute antreten zu dürfen - ungeachtet der fast sicheren Niederlage. Dieses Jahr haben sie wieder genügend Gelegenheiten, sich mit der Weltklasse zu messen. Die Chance nimmt auch Eckhard Freise wahr, bevor er am Samstagabend in der Rheingoldhalle beim Simultan gegen Weltmeister Viswanathan Anand (Indien) teilnahm. Der Wuppertaler Professor war der erste Kandidat, der in der Jauch-Show eine Million Mark abräumte. Wie hieß der Mann, der den Neuseeländer Sir Edmund Hillary 1953 bei der Erstbesteigung des Mount Everest begleitete? Wie Sherpa Tensing Norgay erklomm Freise einen Gipfel, als er bei den Chess Classic Mainz 2001 den Fide-Weltmeister in 47 Zügen schlug.