Viswanathan Anand

Indien, geb. 11. Dezember 1969

Elo 2794, Nr. 3 der Weltrangliste

Viswanathan Anand gilt dank seiner Erfolge bei den Chess Classic als bester Schnellschach-Spieler der Welt. 1997, 1998 und 2000 gewann der "schnelle Brüter" aus Indien den bedeutendsten Wettbewerb mit kürzerer Bedenkzeit. Im Vorjahr deklassierte der "Tiger von Madras" die versammelte Weltelite und verwies Kasparow, Kramnik&Co. im Giants um 1,5 und mehr Punkte auf die Plätze. Der grandiose Turniersieg wirkte nach einer Formkrise wie ein Befreiungsschlag auf den 31-Jährigen. Fortan eilte er bei den Wettbewerben des Weltverbandes FIDE von einem Erfolg zum anderen: Mit dem Gewinn der Blitz-WM, des Weltcups und der FIDE-Weltmeisterschaft machte Anand den "Grand Slam" perfekt. Im Endspiel des K.o.-Wettbewerbs in Teheran setzte sich der neue Weltmeister souverän durch und bezwang Alexej Schirow (Spanien) vorzeitig mit 3,5:0,5 in dem auf sechs Partien angesetzten Match. Der indische Nationalheld ist der erste asiatische Weltmeister und seit dem zweiten Weltkrieg nach Bobby Fischer (1972) der erst zweite Champion, der nicht aus der Sowjetunion beziehungsweise Russland kommt. Aus Indien stammt die Urform des königlichen Spiels, Tschaturanga. An der Geburtsstätte des königlichen Spiels löste Anand eine Welle der Begeisterung aus und führte Schach unter die drei beliebtesten Sportarten des Milliarden-Volkes. Als Stammgast bei den Chess Classic ist der Weltmeister mitverantwortlich für das Programm der "Chess Tigers". Der Verein will Talente aus dem Rhein-Main-Gebiet auf Weltniveau befördern, um einen ähnlichen Boom wie auf dem Subkontinent zu entfachen. In den Partien mit kürzerer Bedenkzeit (Schnell-, Blind- und Blitzschach) verzeichnet der FIDE-Weltmeister gegenüber seinem Rivalen ein Plus von 8:5 Siegen (bei 26 Remis). Alle allen Sparten zusammengefasst führt Anand mit insgesamt 36,5:34,5 Punkten.


"Ich brauche nichts zu diskutieren"

FIDE-Weltmeister Viswanathan Anand meidet ideologische Fronten vor LRP-Match

Mit seinem Sieg bei den Chess Classic 2000 startete Viswanathan Anand eine beeindruckende Erfolgsserie. Diese gipfelte nach dem Sieg im Weltcup im Gewinn des WM-Titels des Weltverbandes FIDE. Der Inder aus Chennai, dem früheren Madras, löste damit auf dem Subkontinent einen Schachboom aus. Bei den Chess Classic misst sich der 31-Jährige im von LRP-"Duell der Weltmeister" in der Mainzer Rheingoldhalle mit Wladimir Kramnik (26. Juni bis 1. Juli täglich 17.30 Uhr, außer sonntags 15 Uhr; Donnerstag ist spielfrei). Der Russe hatte im Oktober Braingames-Weltmeister Garri Kasparow vernichtend geschlagen. Im Vorfeld des prestigeträchtigen Kampfes über zehn Schnellschach-Partien gab sich Anand im Interview mit Hartmut Metz ungewöhnlich einsilbig und will lieber die Taten auf dem Brett sprechen lassen.

Metz: Was überraschte Sie am meisten, als Sie den offenen Brief von Anatoli Karpow, Garri Kasparow und Wladimir Kramnik an den Weltverband FIDE lasen?

Viswanathan Anand: Es war witzig zu sehen, dass drei Leute mit unterschiedlichen Ideologien zusammenfinden.

Metz: Das Trio behauptet, es sei "besorgt über die Änderungen in der FIDE-Politik hinsichtlich der offiziellen Zeitkontrolle, der Handhabung der Geschichte der Schachweltmeisterschaften und ihrer offenen Feindseligkeiten gegenüber den Organisatoren traditionsreicher Schachveranstaltungen". Was ist Ihre Meinung zu diesem Thema?

Anand: Wenn man will, ist die Liste der Beschwerden endlos. Die neue Zeiteinteilung ist interessant, aber es wäre besser, wenn man sie testet, bevor man sie einführt.

Metz: In diesem offenen Brief gebrauchen die drei großen K die Nummern 12, 13 und 14 zur Kennzeichnung ihrer WM-Titel. Welche Ziffer würden Sie für diese, Alexander Chalifman und sich selbst verwenden?

Anand: Ich bin gegenwärtig Schachweltmeister, und Chalifman war zuvor Schachweltmeister.

Metz: Das bedeutet, dass Sie keine Chance für ein Vereinigungsmatch gegen Kramnik sehen, weil es keinen anderen Weltmeister gibt?

Anand: Eine Vereinigung löst überhaupt nichts.

Metz: Die meiste Zeit war Ihre Beziehung mit Kasparow schwierig. Änderte sich ihr Verhältnis zu Kramnik, nachdem er Kasparows Titel eroberte? Während der Chess Classic herrschte zwischen Ihnen stets ein freundschaftliches Verhältnis, beispielsweise scherzten Sie 1998 während des Finales, das Sie schließlich mit 4:3 gewannen, miteinander.

Anand: Unseren Umgang miteinander würde ich als "professionell" bezeichnen.

Metz: Haben Sie mit Kramnik einmal darüber diskutiert, wer der "wahre" Weltmeister ist? Oder erübrigt sich das angesichts zu unterschiedlicher Standpunkte?

Anand: Es scheint mir ziemlich "dumm", diese Angelegenheit überhaupt zu erörtern.

Metz: In der Weltrangliste liegen Sie dicht zusammen. Kramnik hat mit 2797 Elo die Nase knapp vorne, Sie liegen drei Punkte dahinter. Besteht Ihr nächstes Ziel darin, die magische Marke von 2800 zu durchbrechen?

Anand: Vorrangig geht es mir darum, mein Spiel zu genießen. Schaffe ich dabei die 2800, wäre das schön. Nach meinem Turniersieg in Mexiko sollte ich übrigens die Marke in der nächsten Weltrangliste knapp überspringen.

Metz: Trotz des geringen Abstands von drei Elo-Punkten werden Sie im Schnellschach in Mainz als Favorit gehandelt. Bei den Chess Classic lagen Sie stets vor Kramnik, insbesondere im vergangenen Jahr zeigten Sie eine großartige Leistung beim Gewinn des Giants. Wie lautet Ihr Tipp für das LRP-"Duell der Weltmeister"?

Anand: Meine Aufgabe besteht darin, zu spielen, nicht zu prognostizieren.

Metz: In der Ära Kasparow nervte es Sie, wenn die unendliche Geschichte der WM-Kämpfe angeschnitten wurde. Nun sind Sie Weltmeister. Hat sich etwas geändert oder hassen Sie es weiterhin, über das Thema zu diskutieren?

Anand: Ich bin Weltmeister und brauche mit keinem irgendetwas zu diskutieren.