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| Kramnik |
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5,0 |
Entscheidungsspiele
Bedenkzeit: 5-Minuten-Blitz mit 5 Sekunden pro Zug
"In der Küche hätten wir besser gespielt"
Von Hartmut Metz
Wer ist der wahre Schach-Weltmeister? Wladimir Kramnik betonte
Tag für Tag gebetsmühlenartig, dass bei den Chess Classic Mainz kein Fingerzeig
auf diese Frage zu erwarten sei - so als ob der Braingames-Champion seine unglückliche
Niederlage ahnte. Der Moskauer sieht das Spiel auf den 64 Feldern mehr
als
Kunst und Wissenschaft denn als Sport. Daher bevorzugt Kramnik längere Bedenkzeiten
mit zwei Stunden für 40 Züge. Damit hat Viswanathan Anand keine Probleme. Mit
dieser Zeitkadenz eroberte er im Dezember den WM-Titel des Weltverbandes Fide.
Aber "Speedy Gonzales" blüht erst richtig auf, wenn es schneller zugeht. So
wie bei den Chess Classic, bei denen er in den vergangenen vier Jahren dreimal
das schwarze Jackett des Siegers überstreifen durfte. Diesmal blieb jedoch Anand
trotz seines 6,5:5,5-Sieges im "Wimbledon des Schnellschachs" den Beweis seiner
Extraklasse schuldig. "Ich schaue derzeit besser nicht auf Kasparows Webseite",
ulkte der Inder angesichts seiner unerklärlichen Schwächen bis zum 5:5. Im Internet
versprüht der von Kramnik entthronte Weltmeister Garri Kasparow bevorzugt Hohn
und Spott gegenüber lästiger Konkurrenz. Die Analysen des "Ungeheuers von Baku"
- Kasparows aserbaidschanischer Geburtsort ist seit 1984 die Partnerstadt von
Mainz - fallen diesmal aber zu Recht negativ aus. Erst als ganz sicher war,
dass beide Weltmeister mit dem 5:5 ihr Gesicht gewahrt hatten, taute Anand in
der Verlängerung auf. Der 31-Jährige spielte seine erste brillante Partie. Dabei
hatte er in der Blitzbegegnung ebenso wie sein Kontrahent rund viermal weniger
Zeit zum Überlegen als in den zehn Partien zuvor. Weil Kramnik danach erneut
die Eröffnung missriet, konnte der Moskauer ein Dauerschach und das Remis zum
5,5:6,5 nicht verhindern. Eine bittere Pille für den 26-Jährigen, besaß er doch
in mehreren Vergleichen sehr gute Gewinnchancen. Diese ließ der Braingames-Weltmeister
bis auf eine Ausnahme ungenutzt. "Solch einen Unfall habe ich noch nie erlebt",
haderte Kramnik vor allem mit der siebten Partie, in der selbst zwei Bauern
mehr nicht zum vollen Punkt genügten. "Erst als ich die Peitsche bekam, begann
ich zu galoppieren", sah sich Anand eher als lahmer Esel denn als reißender
"Tiger von Madras" und klagte nach nur einem Sieg und acht Remis bis zum Tiebreak,
"mein Kopf fing immer erst zu arbeiten an, wenn ich auf Verlust stand." Der
Spannung tat dies keinen Abbruch. "Große Tage für das Schach und Mainz" konstatierte
deshalb
Oberbürgermeister
Jens Beutel. Der ehemalige Mombacher Oberligaspieler "will 2002 erneut solch
einen Event von Motor Hans-Walter Schmitt" organisieren lassen. Der Hauptsponsor
der Chess Classic, die Landesbank Rheinland-Pfalz zeigte sich ebenfalls "sehr
glücklich über die Resonanz". Dennoch betonte Jürgen Pitzer, sein Unternehmen
müsse analysieren, wie hoch das Engagement in Zukunft ausfalle. Im Hintergrund
wird bereits von weiteren zahlungskräftigen Sponsoren gemunkelt, die den Etat
in den siebenstelligen Bereich wachsen lassen könnten. Weil zudem die Stadt
Mainz mit der Rheingoldhalle - anders als Frankfurt - eine von allen Seiten
gelobte Spielstätte zur Verfügung stellt, scheint eine Rückkehr der Chess Classic
in die Main-Metropole ausgeschlossen. Rund 4.000 Zuschauer beziehungsweise Spieler
bei allen Wettbewerben bedeuten einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr,
als erstmals in der Schach-Geschichte die kompletten Top Ten antraten. Millionen
von Fans im Internet, die die Partien live verfolgen beziehungsweise zum Nachspielen
herunterladen, und die gestiegene Resonanz in den Printmedien sind jedoch für
die Sponsoren wichtiger. Ist nun Anand der wahre Weltmeister? Eine eindeutige
Antwort blieben die Protagonisten angesichts des wechselhaften Wettkampfs schuldig.
Die Weltranglistenzweiten, die am 1. Juli gemeinsam die Schallmauer von 2.800
Elo-Punkten um einen Zähler übertrafen und nun Übervater Kasparow auch dort
im Visier haben, glauben nicht an ein richtiges Vereinigungsmatch. Der Weltverband
Fide zeigt sich unversöhnlich, und Braingames, der Sponsor des Kramnik-Titels,
kocht lieber sein eigenes publicityträchtiges Süppchen. Das ist vielleicht auch
besser so. In Mainz erklärte Kramnik die vielen Schnitzer mit dem "enormen Druck
durch die Medien, die viel Prestige in das Duell hineininterpretieren. Wir waren
beide sehr aufgeregt. Würden wir in der Küche allein gegeneinander spielen,
wären wir sicher sehr viel besser." Die Schachspieler im Internet akzeptieren
auch diesen WM-Spielort - Hauptsache, aus Anands oder Kramniks Küche erfolgt
eine Live-Übertragung der Züge ins weltweite Netz.
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"Die Berliner Mauer steht ja doch noch!"
Karikaturen von Frank Stiefel