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Schönes Schach in Mainz

Super-Model Carmen Kass Stargast bei den Chess Classic / Duell mit der hübschen Weltmeisterin Antoaneta Stefanowa?

Von Hartmut Metz

 

Schönes Schach wird in Mainz vom 4. bis 8. August garantiert! Das Super-Model Carmen Kass ist in der Rheingoldhalle Stargast des Aufsehen erregendsten deutschen Schach-Events. Die 25-Jährige wurde zum „Model of the Year“ (VH1/Vogue Fashion Awards 2000) gekürt und schmückte mehrfach Titelseiten der Trendsetter-Magazine „Vogue“ und „Bazaar“. Die gebürtige Brasilianerin gilt aber nicht nur als eine der schönsten Frauen der Welt – Carmen Kass ist auch eines der intelligentesten Models auf dem Laufsteg. Das Aushängeschild von Christian Dior liebt das königliche Spiel und wurde vor wenigen Wochen zur Präsidentin des estnischen Schachverbandes gewählt! Ein kluger Schachzug, bewerben sich doch die Balten um die Ausrichtung der Olympiade 2008. Galt bis dato Dresden als haushoher Favorit für die Kämpfe der insgesamt über 200 Damen- und Herren-Nationalteams, müssen die Sachsen nun um den Zuschlag des Schach-Weltverbandes FIDE bangen. Carmen Kass wird die Bewerbung Estlands bei der Auftaktpressekonferenz der Chess Classic Mainz (CCM) am Mittwoch, 4. August, vorstellen. Seit das Super-Model als Zugpferd fungiert, stiegen die Aussichten der Balten enorm. Mancher FIDE-Delegierte lässt sich bestimmt noch von der 25-Jährigen einnehmen und dürfte von dem scheinbar bisher so klaren Votum für Dresden absehen und bei der Wahl im Herbst ins Lager der Esten einschwenken.

Carmen Kass wird in der Rheingoldhalle auch selbst auf den 64 Feldern brüten. In einer Fünf-Minuten-Blitzpartie (plus zusätzliche zwei Sekunden pro ausgeführten Zug) wird sie gegen Viswanathan Anand antreten. Der „Tiger von Madras“, ganz Gentleman, gewährt der schönen Konkurrentin einen Zeitvorteil und erhält selbst nur zwei Minuten Bedenkzeit (plus eine Sekunde je Zug) für die Partie. Der CCM-Titelverteidiger tritt außerdem gegen mehrere Sponsoren und Amateure an. Letztere können solch ein Match gegen den Weltranglistenzweiten aus Indien auf der Webseite www.chesstigers.de ersteigern. Den Zuschlag für die erste Partie gab es bei 500 Euro! Neben dem einmaligen Duell zwischen Anand und Carmen Kass kann es noch zu einer weiteren einzigartigen Partie kommen: Organisator Hans-Walter Schmitt steht derzeit in Verhandlungen mit Antoaneta Stefanowa. Die Bulgarin gewann im Mai im kalmückischen Elista (Russland) den WM-Titel der Frauen. Die zehnte Weltmeisterin der Schach-Geschichte gilt auch als die bisher eindeutig hübscheste. Sollte Stefanowa für das FiNet Chess960 Open (5. und 6. August) sowie das Ordix Open (7. und 8. August) zusagen, werden die Weltmeisterin und das Super-Model bei der Auftaktveranstaltung am Brett die Schönheit des Schachs demonstrieren! Danach behaupte noch einer, beim königlichen Spiel gäbe es ausnahmslos Männer mit fünf Zentimeter dicken Nickelbrillen zu sehen ...

Aber auch die ausschließlich auf die 32 Steine fixierten Schachfans kommen bei den CCM auf ihre Kosten: Tagsüber selbst am Brett brüten – und abends den Assen in der Rheingoldhalle über die Schulter schauen. Dort misst sich Viswanathan Anand ab dem 5. August jeden Abend in zwei Schnellschach-Partien mit Alexej Schirow. Der 34-Jährige ist der ungekrönte König der Chess Classic. Sechsmal gewann der weltbeste Schnellschachspieler und aktuelle Schach-Oscar-Preisträger die CCM. Eine zu klare Favoritenrolle sieht der 34-Jährige im Match über acht Partien gegen Schirow allerdings nicht. Sein Vereinskamerad in Baden-Oos und im französischen Cannes agiere zwar äußerst wechselhaft. Wozu der Ex-Vizeweltmeister, der vor rund vier Jahren im WM-Finale Anand (Foto links: Thilo Gubler) unterlag, aber fähig sei, habe der „Hexer von Riga“ in Sarajevo gezeigt. Bei dem Topturnier spielte Schirow die Konkurrenz mit 7,5:1,5 Punkten in Grund und Boden. In ähnlich bestechender Form muss sich der 31-jährige Wahl-Spanier jedoch auch in Mainz präsentieren, will der Weltranglistenzehnte den fünften CCM-Erfolg Anands in Serie verhindern.

Bei der jeweils zeitgleich ausgetragenen Gerling Chess960-WM fordert Levon Aronjan Weltmeister Peter Swidler heraus. Swidler ist aktuell die Nummer neun der normalen Schach-Weltrangliste, der ehemalige Junioren-Weltmeister Aronjan steht auf Position 32. Zwischenzeitlich führte der Berliner auch die deutsche Rangliste an. Bei seinem Bronzemedaillen-Gewinn bei der Europameisterschaft in der Türkei spielte der 21-Jährige allerdings wieder unter der Flagge seines Mutterlandes Armenien. Der künftige Kreuzberger Bundesligaspieler qualifizierte sich im Vorjahr im Chess960 Open für das WM-Finale.

Ihm will es der vor kurzem kampflos entthronte Weltmeister gleichtun: Der bisherige offizielle Weltmeister des Schach-Weltverbandes FIDE, Ruslan Ponomarjow (20), tritt im FiNet Chess960 Open am 5. und 6. August an! Mit 14 Jahren und 17 Tagen war der Ex-Weltmeister einst der jüngste Großmeister aller Zeiten. Inzwischen ist sein Landsmann Sergej Karjakin Rekordhalter. Der kleine Tischtennis-Fan kommt wie er aus Kramatorsk und wurde schon mit zwölf Jahren und sieben Monaten Großmeister. Die beiden messen sich nun im FiNet Chess960 Open, bei dem der Sieger 2005 den neuen Chess960-Weltmeister herausfordern darf. Angesichts bereits 52 gemeldeter Großmeister und Großmeisterinnen garantiert der elfrundige Wettlauf hochkarätiges Chess960. Von den ersten 58 der bisherigen Setzliste beider offenen Turniere verzichten lediglich fünf Akteure auf einen Start im FiNet Chess960 Open: Wladislaw Tkatschiew (Frankreich/Nr. 16 der Setzliste beider Turniere), Jewgeni Aleksejew (Russland/Nr. 18), Igor Khenkin (Deutschland/Nr. 21), Ulf Andersson (Schweden/Nr. 27) und Milos Pavlovic (Serbien&Montenegro/Nr. 44).

Im Ordix Open, in dem am 7. und 8. August in der Rheingoldhalle nach den bekannten „normalen“ Regeln gespielt wird, geht es um den zweiten Teil der insgesamt 35.000 Euro Preisgeld. Während Ponomarjow sich als einziger auf Chess960 konzentriert, will sich der inzwischen 14-jährige Karjakin nicht die Gelegenheit entgehen lassen, einen Löwenanteil davon im Ordix Open zu sichern. Allerdings ein schweres Unterfangen, da erneut rund 100 internationale Titelträger in die Stadt des schachbegeisterten Oberbürgermeisters Jens Beutel pilgern werden. Beim weltweit größten Schnellschach-Open erwartet Organisator Hans-Walter Schmitt wiederum etwa 500 Akteure. Daher empfiehlt sich die Voranmeldung für das Ordix-Turnier.

Zum erlesenen Feld im Ordix Open zählen neben den Kommentatoren des Abends, Artur Jussupow und Eric Lobron, auch zwei deutsche Schach-Legenden: der Dresdner Wolfgang Uhlmann, bester ostdeutscher Großmeister aller Zeiten, der häufig mit Legende Bobby Fischer die Klinge kreuzte und den US-Amerikaner sogar bezwingen konnte. Zudem misst sich der Münchner Altmeister Wolfgang Unzicker mit der Jugend. Sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Lothar Schmid lässt sich die CCM zumindest nicht als Zuschauer entgehen. Der Karl-May-Verleger war einst Schiedsrichter bei den großen Fischer-WM-Kämpfen. Die junge Generation vertreten in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Jan Gustafsson, deutscher Aufsteiger des Jahres aus Hamburg, und die WM-Achtelfinalistin und ehemalige U18-Weltmeisterin Elisabeth Pähtz aus Erfurt. Die deutschen Farben repräsentieren außerdem die nationale Nummer eins, Alexander Graf (Bild), der dank seines kompromisslosen Stils in Open stets ein Sieganwärter ist, sein Nationalmannschaftskollege Rustem Dautov und Igor Khenkin.

Die Favoriten im Ordix Open kommen aber aus Russland. Sergej Rublewski, der im Februar das hochkarätige Aeroflot Open in Moskau gewann und derzeit die Nummer 19 auf dem Globus ist, gibt sein zweites Gastspiel bei den Chess Classic. Vor vier Jahren überzeugte der Michael-Schumacher-Fan im B-Turnier, als erstmals in der Schach-Geschichte die kompletten Top Ten an einem Ort antraten! Mit von der Partie war damals auch Alexander Morosewitsch. Der einstige Weltranglistenvierte, der jetzt nach einem Tief wieder auf diese Position zurückgekehrte, geht ebenfalls im Ordix wie FiNet Chess960 Open an den Start. Härtester Widersacher des derzeit in bestechender Form agierenden Morosewitsch dürfte Alexander Grischuk sein. Der Weltranglisten-16. aus Russland gewann im Vorjahr das Ordix Open, kam aber mit der Auslosung der Startpositionen im Chess960 nicht zurecht. Weitere namhafte Favoriten auf Platz eins sind der Schweizer Vadim Milov, der Moldawier Viorel Bologan, Vorjahres-Sensationssieger in Dortmund, Wadim Swagintsew (Russland), Luke McShane (England), Rafael Waganjan (Armenien), der 2003 in Mainz auftrumpfende junge Ukrainer Andrej Wolokitin, die dänische Nummer eins Peter Heine Nielsen und Wladimir Epischin (Russland). Der Elo-Durchschnitt der 50 stärksten Teilnehmer liegt dank dieser exzellenten Besetzung über der Schallmauer von 2600 Elo! Im Schlepptau seiner Verbandspräsidentin Carmen Kass befindet sich auch die estnische Nummer eins, Kaido Kulaots. Der Großmeister hat in seiner Erfolgsliste unter anderem einen Sieg beim exzellent besetzten Open im französischen Cappelle la Grande stehen. Zu den stärksten Frauen im Feld zählen neben Elisabeth Pähtz die Lettin Inna Gaponenko, Natalia Kiselewa (Ukraine), Elvira Berend (Luxemburg) und vor allem Victorija Cmilyte (Bild). Die Ehefrau von Alexej Schirow feiert während der Chess Classic Mainz am 6. August ihren 21. Geburtstag.

Bei der Auftaktveranstaltung zwei Tage zuvor dürfen jedoch nicht nur all die Koryphäen und Schönheiten bewundert werden. Mit einigen können Amateure sogar die Klinge kreuzen. Plätze für die Simultans gegen Schirow, der an 40 Brettern spielt, und Peter Swidler, der gleichzeitig 20 Chess960-Stellungen in Angriff nimmt, können im Internet ersteigert werden. Vor Anands Blitzpartien um 18.30 Uhr klettert zwei Stunden früher Aronjan in den Ring: Sein Kontrahent im Chess960 wird das niederländische Amateur-Schachprogramm „The Baron“ sein.


 

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