Die Stars der Chess Classic Mainz 2003
Judit Polgar
Ungarn, 23. Juli 1976
ELO 2718, Nr. 1 der Damen-Weltranglisten., Nr. 11 der Herren-Weltrangliste
Die Familie Polgar ist im Schach eine Legende. Vater
Laszlo wollte einst beweisen, dass Genies „machbar“ sind.
Weil dieser relative Wert im Schach leichter zu messen ist als in der
Mathematik, unterrichtete Pädagoge Laszlo Polgar seine drei Töchter
trotz aller staatlichen Widerstände allein mit Gattin Klara. Das
Ergebnis wurde Legende: Seine gebildeten drei Mädchen eroberten
die Schachwelt. Bevor sie im aktiven Schach kürzer traten war Zsuzsa
Weltmeisterin und Zsofia gehörte zu den Top Ten bei den Damen.
Nesthäkchen Judit profitierte von den Erfahrungen mit den älteren
Schwestern und übertraf deren Leistungen deutlich. Mit 15 brach
sie den Rekord von Bobby Fischer als jüngstem Herren-Großmeister
aller Zeiten. Mit 17 drang die mit weitem Abstand stärkste Spielerin
in der Schach-Historie in den Kreis der Arrivierten ein – wohlgemerkt
den der Herren, weil Judit Polgar konsequent Frauen-Wettbewerbe meidet.
Trotzdem führt sie auch seit rund einem Jahrzehnt die Frauen-Weltrangliste
mit weitem Abstand an. Die Nummer 11 der Herren-Weltrangliste zählt
überall zu den Publikumslieblingen, weil Judit Polgar einen sehr
unternehmungslustigen Stil pflegt. Vor atemberaubenden Opferangriffen
scheut sie selten zurück. Ein interessantes Match gegen Viswanathan
Anand ist daher garantiert.
Viswanathan Anand
Indien, geb. 11. Dezember 1969
Elo 2769, Nr. 3 der Weltrangliste
Viswanathan Anand ist nicht nur Stammgast bei den Chess
Classic – der „Tiger von Madras“ gewinnt auch fast
jedes Jahr den Top-Wettbewerb. In den vergangenen drei Jahren unterstrich
der Inder seinen Ruf als weltbester Schnellschachspieler mit einem Hattrick
bei den Chess Classic. 2000 ging er im bestbesetztesten Turnier aller
Zeiten vor Garri Kasparow (Russland) über die Ziellinie. Im „Duell
der Weltmeister“ schlug Anand 2001 Wladimir Kramnik (Russland)
im Tiebreak, und im Vorjahr gab der 33-Jährige seinem Nachfolger
als Champion des Weltverbandes FIDE, Ruslan Ponomarjow (Ukraine), das
Nachsehen. Dank seiner zahlreichen Turniersiege im vergangenen Jahr
– darunter beim Superturnier im niederländischen Wijk aan
Zee vor der ebenfalls ungeschlagenen Judit Polgar – gilt der mehrfache
indische Sportler des Jahres als Favorit gegen die Herausforderin. Weil
Bad Soden seine dritte Heimat nach Indien und seinem europäischen
Wohnsitz bei Madrid geworden ist, hat der Baden-Ooser Bundesligaspieler
inzwischen Deutsch gelernt.
Peter Leko
Ungarn, geb. 8. September 1979,
Elo 2739, Nr. 4 der Weltrangliste
Auch Peter Leko war einst der jüngste Großmeister
aller Zeiten, als er mit 14 den Rekord von Judit Polgar verbesserte.
Den Fans ist er bei den Chess Classic in guter Erinnerung: 2000 trieb
er im Topturnier beispielsweise den Weltranglistenersten Garri Kasparow
die Zornesröte ins Gesicht, als er ihn bezwang. Das Jahr zuvor
belegte Leko knapp hinter dem Programm „Fritz auf Primergy“
Platz zwei im Masters. Beim ersten Fischer-Random-Match (dem Vorläufer
des Chess960) auf Topniveau schlug der Weltranglistenvierte in Mainz
seinen 2001 auf diesem Platz liegenden britischen Widerpart Michael
Adams. Gegen Peter Swidler geht es nun für den Großmeister
aus Szeged um den WM-Titel im Chess960. Aber auch im richtigen Schach
mangelt es ihm nicht an Erfolgen: Bei den Dortmunder Schachtagen 2002
erkämpfte sich der 23-Jährige das Recht, Weltmeister Wladimir
Kramnik herauszufordern. Zudem gewann Leko heuer das Grand-Slam-Turnier
im spanischen Linares.
Peter Swidler
Russland, 17. Juni 1976
ELO 2713, Nr. 8 der Weltrangliste
1994 spielte sich Peter Swidler in den Vordergrund. Erst gewann der
St. Petersburger die U18-Jugendweltmeisterschaft, dann ein starkes Open
in seiner Heimatstadt – und zuletzt die russische Landesmeisterschaft!
Auf das weltweit stärkste nationale Championat richtete Swidler
anschließend quasi ein Dauerabonnement ein. Noch im selben Jahr
eroberte der Russe mit seinem Nationalteam bei der Schach-Olympiade
in Moskau Gold. Bis 2000 setzte sich St. Petersburger in den Top Ten
fest. Nach einer Krise kehrte er nun jedoch wieder in die Elite zurück
– und das gleich wieder auf Position acht, seiner bisher besten
Platzierung in der Weltrangliste. Für das Chess960-Finale gegen
Leko qualifizierte sich der Baden-Ooser Bundesligaspieler mit einem
Sieg im Chess960-Open 2002. Nach verpatztem Beginn startete Swidler
am zweiten Turniertag eine fulminante Aufholjagd, bei der ihn keiner
mehr stoppen konnte. Kommt der Russe wieder ähnlich in Fahrt, muss
Leko alles geben, um seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Wie Leko
gibt Swidler am Mittwochabend ein Simultan im Chess960 – ein weiteres
Novum, das die Chess Classic bereichern.
In den Open
Alexander Grischuk
Russland, 31. Oktober 1983
ELO 2732, Nr. 6 der Weltrangliste
Alexander Grischuk ist ein weiteres Ausnahmetalent aus Russland. Trotz
seiner erst 19 Jahre gewann er mit seinem Verband Gold bei der Schach-Olympiade
und feierte zahlreiche Turniersiege. Dank dieser schoss der gute Freund
von Peter Swidler in der Juli-Weltrangliste bis auf Platz sechs hoch.
Der Spitzenspieler des deutschen Meisters Lübecker SV trägt
im Ordix Open und dem Chess960-Turnier die Favoritenbürde.
Alexander Graf
SG Köln-Porz, 25. August 1962
ELO 2643, Nr. 49 der Weltrangliste, Nr. 1 in Deutschland
Der Porzer Bundesligaspieler feierte bei der Europameisterschaft in
der Türkei einen seiner größten Erfolge: Alexander Graf
gewann die Bronzemedaille. Am Brett ist der 40-Jährige einer der
kompromisslosesten Spieler und zählt daher stets zu den Sieganwärtern.
Elisabeth Pähtz
Dresdner SC, 8. Januar 1985
ELO 2417, Nr. 41 der Damen-Weltrangliste, Nr. 2 in Deutschland
Elisabeth Pähtz ist das größte deutsche Talent, das
es jemals im Frauenschach gab. Die Großmeisterin vom Dresdner
SC sorgt bereits in jungen Jahren für Furore. Ihr größter
Erfolg ist der Gewinn der U18-Weltmeisterin 2002. Im Mainzer „Duell
der Grazien“ trotzte die damals 17-Jährige der Frauen-Vizeweltmeisterin
Alexandra Kostenjuk (Russland) ein 4:4 ab.
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